Google+ Julias Buchblog: Problemanalyse von "Viejendalisk"

Freitag, 13. September 2013

Problemanalyse von "Viejendalisk"

Wie bereits im letzten Post angekündigt, möchte ich heute analysieren, die es dazu kam, dass Viejendalisk das schlechteste Buch wurde, das ich in den letzten zwölf Monaten gelesen habe. Mit meiner Meinung stehe ich übrigens nicht alleine, "Viejendalisk" hat auch auf anderen Blogs entsprechende Bewertungen bekommen (etwa bei Bücherwurm2.0 oder Anja). Auf Lovelybooks bin ich nach meiner Rezension über eine Diskussion gestolpert, die einige der Probleme dieses Buches erklärt (klick). Offenbar hat der Autor mit seinem Erstling so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann, weil er gänzlich unerfahren ins Abenteuer "Buchveröffentlichung" gestolpert ist. Weil der Fall so exemplarisch ist, möchte ich die einzelnen Schritte aufzuzeigen, wie aus dem Werk eines hoffnungsvollen Jungautors ein derartiges Desaster werden konnte:
 
Seinen Beiträgen bei Lovelybooks entnehme ich, dass "Viejendalisk" der erste Roman überhaupt ist, das Flo Wandemberg geschrieben hat. Nun ist es leider so, dass auch beim Schreiben Übung den Meister macht. Das allererste Buch taugt nur in Ausnahmefällen etwas und sollte deshalb meist besser in der Schublade bleiben, quasi als Lehrstück. Bei "Viejendalisk" merkt man schon allein am holprigen Stil, dass der Autor ungeübt darin ist, längere Texte zu verfassen. Aber auch bei der Figurenzeichnung und der Entwicklung der Geschichte fehlt die Routine und die kritische Distanz zum eigenen Werk, sonst hätte zumindest die unglaublich hohe Klischeedichte auffallen müssen.

Diese Distanz könnten Beta-Leser bieten. Dafür muss man sich aber trauen, sein Werk ungeschönter Kritik auszusetzen, etwas, was leider viele Neu-Autoren nicht tun. Gute Beta-Leser findet man am ehesten in Schreibforen, nicht aber unter Freunden und Bekannten, denn da besteht zu sehr die Gefahr, dass die Rückmeldungen entsprechend wohlwollend ausfallen. Zudem haben die wenigsten angehenden Autoren Leute im Bekanntenkreis, die sich vertieft mit Sprache, Geschichtenaufbau und Figurenzeichnung beschäftigen. Da "Viejendalisk" noch entsprechend roh wirkt, gehe ich davon aus, dass die Korrekturphase mit kritischen Beta-Lesern weitgehend ausgefallen ist.

Das Manuskript wurde nun also voller Hoffnungen an Verlage geschickt und es passierte, was bei einem so unausgereiften Werk zwangsläufig folgt: Absagen über Absagen. Immer mehr Verlage wurden angeschrieben, bis eines Tages endlich ein Verlag positiv antwortet. Was Flo Wandemberg nicht realisiert hat: der Novum Verlag gehört offenbar zur Gruppe der Zuschussverlage, die ihr Geld nicht mit dem Verkauf von Büchern machen, sondern indem sie den Autor ausnehmen. Dieser zahlt also für die Bearbeitung eine ordentliche Summe und bekommt dafür ein "korrigiertes", aber unübersichtlich wirkendes Manuskript zurück mit einer zweiwöchigen Prüffrist. Die ersten Seiten sehen ok aus, also unterschreibt Wandemberg das beiliegende Papier, ohne sich das ganze Manuskript genau anzusehen, wobei ihm entgeht, dass der Verlag kaum etwas verändert hat. Für jede Korrektur müsste er von jetzt an nochmals massiv draufzahlen.

Das Buch wird also kaum überarbeitet gedruckt. Vermarktung vom Verlag findet nicht statt, also kümmert sich der Autor selber aktiv um Leserunden etc. Das ist grundsätzlich zwar löblich, führt hier aber leider zu unangenehmen Resultaten, denn viele Leser sind vom Buch enttäuscht, die Reaktionen fallen entsprechend negativ aus. Der Autor ist auch enttäuscht und verärgert, als er nun realisiert, was passiert ist. Er kauft die restlichen Bücher auf und kündigt die Zusammenarbeit mit dem Verlag (deshalb ist das Buch seit gestern neu weder über den Verlag noch über Amazon erhältlich). Soweit der aktuelle Stand.

Nun könnte man das einfach als schlechte Erfahrung mit finanziellem Verlust abtun. Genau das hat Flo Wandemberg offenbar vor. Er sucht einen neuen Verlag, der das Buch nochmals bearbeitet, zudem schreibt er an der Fortsetzung. Nun drücke ich ihm zwar die Daumen, glaube aber nicht daran, dass das klappt. Erstens hat es seine Gründe, warum das Manuskript bisher abgelehnt wurde. Und zweitens ist "Viejendalisk" und bis zu einem gewissen Grad auch Flo Wandemberg als Autor für einen Verlag verdorbene Ware. Zu viele schlechte Kritiken wurden veröffentlicht und das Internet vergisst nie. Auch in einer neuen Auflage wird sich "Viejendalisk" nicht mehr von diesem Fehlstart erholen. Die einzige Möglichkeit, die ich für dieses Buch jetzt noch sehe, wäre der Selbstverlag als Ebook. Dann aber dürfte Flo Wandemberg auch mit einem neuen Projekt für Verlage endgültig zu sehr "belastet" sein.

Nach dieser Geschichte kann ich angehendes Jungautoren nur folgendes auf den Weg geben: seid vorsichtig bei der Auswahl eures Verlages! Und wenn kein normaler Verlag euer Manuskript haben will, hat das gute Gründe. Klar ist die Enttäuschung groß, aber denkt erst gründlich über mögliche Folgen nach, bevor ihr einen Roman auf Biegen und Brechen veröffentlicht!

Kommentare:

  1. Ja, vom Novum-Verlag habe ich auch schon viel Negatives gehört und das, was die Autoren dafür zahlen müssen, ist teilweise einfach nur horrend.
    Vor allem bleiben die Autoren auf den Büchern sitzen und haben eigentlich keine Chance, das hineingesteckte Geld jemals wieder reinzuholen.
    Gerade junge und naive (aber mit Geld gesegnete) Jungautoren tappen oft in die Falle.

    Es gibt natürlich auch Druckkostenzuschussverlage, die sich offen als solche präsentieren beziehungsweise sich sogar als solche bewerben. Beispielsweise BoD (Books on Demand) - der Verlag ist überwiegend darauf spezialisiert, gegen Geld vom Autor Einzelstücke zu drucken. Für dreißig bis sechzig Euro kann man sich dort das personalisierte Märchenbuch für die Enkelin professionell binden lassen.
    Ein Lektorat findet dort aber natürlich auch nicht statt.
    Will man über einen solchen Verlag ein Buch auf den Markt bringen, so lohnt sich das nur bei Nischenthemen, für die sich der große Markt nicht interessiert - kann aber durchaus zum Erfolg führen. Der Autor zahlt mindestens 30 € und ab dem vierten Jahr zusätzlich 16 € im Monat für die Datenhaltung. Wer aber ein Lektorat oder Werbung will, muss einfach unglaublich dazublechen und ich habe bisher nur von sehr wenigen Autoren gehört, die über BoD und Co. tatsächlich erfolgreich wurden.

    Da es schwer ist, bei einem Großverlag zu landen, muss entsprechend Vorarbeit geleistet werden.
    Dazu gehört nicht nur üben, korrigieren, üben, sondern auch:
    - erstmal Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien platzieren, um die Bibliographie zu füllen
    - an Literaturwettbewerben teilnehmen
    - es bei kleinen und regionalen Verlagen versuchen

    Es ist nicht leicht, aber durchaus schaffbar.

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  2. Die meisten kleineren Verlage bieten auch Druckkostenzuschuss-Varianten an. Solange klar kommuniziert wird, was zu welchem Preis geboten wird, ist das ja auch kein Problem, es gibt genügend Leute, die die Biographie des Opas zum Neunzigsten oder ähnliches drucken lassen wollen. Problematisch wird es dann, wenn Naivität und Unerfahrenheit ausgenutzt werden, um Neuautoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und oft wird eine solche Erfahrung nicht nur teuer, nachher ist auch der Ruf befleckt. Bei 80'000 neuen Titeln pro Jahr ist der Kampf um Aufmerksamkeit so schon schwierig genug, zudem gibt es mehr gute Manuskripte als überhaupt gedruckt werden können, da überlegt sich jeder Verlag zweimal, ob sie in einen Autor investieren wollen, der bereits einmal einen Flop hingelegt hat. Klingt brutal, ist aber eben harter Alltag im Verlagswesen. Klar ist es schwer, als Neuling bei einem Verlag unterzukommen, aber alles andere kann sich als Bumerang entpuppen. Und sich im Voraus gründlich über alle Optionen informieren zahlt sich eben immer aus...

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    1. So ist es! Man braucht einen tadellosen Ruf, ein gutes Manuskript und viele kleine Veröffentlichungen.

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  3. Da sich inzwischen auch Flo Wandemberg bei mir gemeldet hat, möchte ich euch seinen Kommentar hier nicht vorenthalten. Denn auch wenn mir "Viejendalisk" hier lediglich als Demonstrations-Objekt für gängige Fehler gedient hat, ist es nur recht und billig, wenn auch der Autor zu Wort kommt:

    "Schönen guten Tag!

    In Bezug auf deine Problemanalyse auf mein Buch habe ich auch noch ein Wörtchen mitzureden und gerne werde ich einmal meine Meinung dazu offenlegen.
    Viele Gesichtspunkte von dir muss ich leider sagen stimmen. Die ganze Missere hat aber massgeblich der Novum Verlag zu verantworten. Wenn ich auf das schlampige und sehr schlechte Lektorat vom Novum Verlag denke,dann kannst du dir sicher vorstellen, wie es mir dabei geht. Drei Monate hat der Novum Verlag sich für das Lektorat Zeit genommen und als ich die korrigierte Form bekommen habe, musste ich mir alles noch einaml durchsehen. Das war aber sehr schwierig und die ersten Seiten ließen bei mir keinen Zweifel aufkommen, dass hier fast nichts korrigiert worden war. Das liegt daran, dass Hausfrauen die Bücher lektoriern und 50 Cent pro seite dafür kassieren. ( Hat mir Jutta vom Schreiblabor in Berlin geschrieben) .
    Natürlich hatte ich keine Ahnung und ich bin niemanden beleidgit, wenn er mein Buch kritisiert oder schlecht findet. Das finde ich auch in Ordnung.
    jedoch möchte ich darauf hinweißen, dass sehr viele Verlage und da meine ich auch die großen namhaften ein rießiges lektorat im Hintergrund haben und ihre Bücher immer wieder verbessern und gewaltig bei den Autoren nachbessen. Denn kein Autor fällt vom Himmel und schreibt wie Donna leon. das kannst du mir glauben. Auch hier möchte ich nicht wissen, die der Diogenes Verlag nachbessert.
    Jedenfalls werden die ganzen Mängel im Buch mit Sicherheit nocheinaml überarbeitet werden und dieses mal von einem anständigen Lektorat. Du kannst den Artikel gerne in deinem Blog veröffentlichen und micht stört das überhaupt nicht. Denn eines habe dabei gelernt. Traue niemanden und schon gar nicht einem Druckkostenverlag.

    In diesem Sinne schöne Grüße
    Flo Wandemberg"

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