Google+ Julias Buchblog: David Foenkinos - Zum Glück Pauline

Samstag, 3. September 2016

David Foenkinos - Zum Glück Pauline

Zum Glück Pauline
David Foenkinos
ISBN 9783406654206



Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. David Foenkinos’ Protagonist ist anfangs vierzig, beruflich ganz erfolgreich, hat eine liebevolle Frau, zwei gut geratene Kinder und ein hübsches Häuschen in einer netten Gegend. Aber aus heiterem Himmel überfallen ihn quälende Rückenschmerzen. Er pilgert von Arzt zu Arzt, aber keiner findet eine Ursache für die stechenden Schmerzen. Und mit den körperlichen Beschwerden gerät auch seine bisher so wohlgeordnete Welt aus den Fugen. Eine wichtige Präsentation im Beruf wird zum Desaster, in der Ehe zeigen sich Risse, seine Kinder sind ihm fremd geworden...

David Foenkinos schildert detailliert, wie sein namenloser Protagonist unaufhaltsam in eine Midlifecrisis abgleitet. Stück für Stück wird die heile Welt auseinandergebrochen, fällt die hübsche Fassade, mit der er seine Unsicherheit und Zweifel zu verdecken sucht. Im Beruf wird er von einem Konkurrenten gemobbt, traut sich aber nicht, sich zu wehren, weil der Kredit für das Haus ja abbezahlt werden muss. Seine Ehe ist eingeschlafen, man lebt nebeneinander her. Die Kinder sind ausgezogen und werden ihm immer fremder. Die Rückenschmerzen sind da nur das Symbol für all das, was ihn belastet, eine Abwehrreaktion des Körpers, der sich gegen die aufgestauten Belastungen wehrt und ihn aus dem gewohnten Trott reißt. Plötzlich muss der Protagonist aktiv werden, weil er nicht mehr einfach weitermachen kann wie bisher, und das fällt ihm zuerst unglaublich schwer. Etwas unglaubwürdig fand ich dann, wie leicht dieser Neustarts ablaufen. Beruflich, privat, überall eröffnen sich plötzlich neue Chancen, da hier schlittert der Protagonist ohne große Anstrengung einfach hinein, und am Schluss endet alles in Wohlgefallen: irgendwie ist das nur mäßig realistisch und erinnert plötzlich fatal an seichte Unterhaltung. Ebenfalls wie ein Kitschroman klingt der dämliche deutsche Titel, zudem hat er kaum etwas mit der Geschichte zu tun, denn besagte Pauline taucht erst ziemlich am Ende des Buches auf. Die Originalvariante „Je vais mieux“ (es geht mir besser) spielt sehr viel geschickter mit der Verflechtung der Rückenschmerzen und des psychischen Zustands der Hauptperson, mit ihren Bemühungen, die Fassade so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, keine Schwäche zu zeigen, um die anderen nicht zu beunruhigen. Schade, dass man da beim deutschen Titel den Blick derart plakativ auf die Liebesgeschichte richtet, denn das wird dieser unbarmherzigen Analyse einer Midlifecrisis nicht gerecht.

Kommentare:

  1. Hey!

    Das kling nach einem tollen Roman. Danke für die schöne Rezension.

    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  2. auch wenn nicht alles so gut bei dir wegkommt hört es sich trotzdem insgesamt ganz gut an.. noch kein thema das mich selbst betrifft aber ich lese auch gerne mal abseits meiner üblichen verdächtigen :P
    Grüße aus dem st. christina grödnertal
    Claudia

    AntwortenLöschen
  3. Schade, dass das Happy End nicht kunstvoller gestaltet wurde. Je älter ich werde, desto mehr brauche ich Bücher, die einen nicht mit einer tiefen Niedergeschlagenheit zurücklassen. Herzliche Grüße, Uta

    AntwortenLöschen