Google+ Julias Buchblog: Zu wenig professionell?

Sonntag, 19. Juni 2016

Zu wenig professionell?

Immer wieder mal bekomme ich Anregungen von Verlagen, wie ich meinen Blog professionalisieren könnte, Einladungen zu passenden Workshops und Vorträgen etc. Das klingt zuerst ja ganz gut, hat aber bei genauerem Nachdenken so einige Haken. Was sich die Verlage unter Professionalisierung vorstellen, ist nämlich nicht wirklich das, was mir selber vorschwebt. Meist bedeutet das, den Blog für "eine längerfristige gute Zusammenarbeit" anzupassen oder aufzurüsten, was den Verlagen nützt, von meiner Seite aber vor allem mit deutlich größerem Aufwand verbunden wäre. 

Da wäre als erstes die Reichweite. Klar, jeder hätte gerne viele Leser, aber leider fliegen die einem nicht einfach zu. Möglichkeiten, die eigene Reichweite zu erhöhen, gibt es zwar viele, aber ohne beträchtlichen Aufwand geht das nicht. Auch im Hinblick auf Layout etc. ist mein Blog nicht wirklich das, was ich unter "professionell" verstehe, aber es entspricht dem, was ich mit meinen Kenntnissen und meinem Zeitbudget ohne Probleme selber machen kann. Solange mein Blog nur eines meiner Hobbies ist, bin ich nicht bereit, da deutlich mehr Zeit oder Geld zu investieren. 

Da liegt aber genau der Knackpunkt bei der ganzen Professionalisierungsdebatte. Als Buchbloggerin sehe ich schlicht keine Möglichkeiten, längerfristig halbwegs kostenneutral zu arbeiten, selbst wenn ich auf den hohen Anspruch verzichte, vom Bloggen leben zu wollen, und mich "nur" darauf konzentriere, das Bloggen als Teilzeitjob oder Haupthobby zu betreiben. "Monetarisierung" klingt so nett, bietet aber in der Praxis so einige Probleme. Meinen Blog mit Werbebanner zu pflastern, bringt deutlich weniger ein, als mein ästhetisches Empfinden rechtfertigen könnte. Bezahlte Beiträge haben rechtlich massive Fallstricke, gerade bei dubiosen Formulierungen wie "sponsored", von der verbreiteten Forderung, entsprechende Kennzeichnungen wegzulassen, mal ganz abgesehen. Zudem gibt es da auch kaum thematisch passende Angebote, denn wir sind hier nicht in der glamourösen Sphäre der Mode- oder Beautyblogger. Wenn schon die Autoren meist nicht vom Schreiben leben können, wie sollten wir Buchblogger das dann schaffen? Und gerade die Verlage betonen ja gerne, dass sie über den Deal "Gratisbuch gegen Rezension" hinaus keine finanziellen Ressourcen für Blogger hätten. Weshalb also sollte ich meinen Blog dann professionalisieren? 

Bloggen als Hobby passt mir gerade sehr gut, ich mag es, dass ich lesen kann, was ich will, und dass ich die Chance, aber keine Pflicht habe, gelegentlich ein Rezensionsexemplar anzunehmen. Jeder weitere Schritt zu einer Professionalisierung würde bedeuten, dass ich für den Blog mehr Zeit investieren müsste, Zeit, die mir dann zum Lesen fehlen würde. Denn neben meinen Hobbies habe ich noch ein normales Leben, und das nimmt durch ein neues Familienmitglied gerade noch mehr Raum und Zeit ein als bisher schon. Deshalb, liebe Verlage: eure Vorschläge sind zwar nicht ganz uneigennützig, aber gut gemeint. Nur entsprechen sie definitiv nicht dem, was ich aktuell von meinem Blog erwarte. Und deshalb werde ich mich auch weiterhin ohne SEO-Optimierung und professionelles Layout im wesentlichen meinen Rezensionen widmen.

Kommentare:

  1. Ich kann da nur zustimmen. Ich sehe den Blog auch nur als einen Zusatzfaktor meiner Bücherliebe. Geld oder mehr Zeit würde ich nicht investieren. Und davon leben wollte ich erst recht nie. o0

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  2. Guten Morgen,
    ein super geschriebener Artikel, dem ich nur voll zustimmen kann.
    Ich habe ihn heute in meiner Blog-Stöberrunde geteilt.
    LG
    Yvonne

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  3. Guten Morgen!

    Ich bin gerade durch Yvonnes Lesewelt auf deinen Beitrag aufmerksam geworden, sie hat dich in der Stöberrunde verlinkt ;)

    Ich kann deine Meinung sehr gut verstehen und wundere mich gerade, dass Verlage einem Workshops für den Blog anbieten O.O Das hatte ich bisher noch nicht :)

    Es kommt ja auch darauf an, was man jetzt unter "Professionalität" versteht - ich denke, das legt auch jeder anders aus. Ich selber investiere gerne viel Zeit in den Blog, weil es mir einfach immens viel Spaß macht! Natürlich darf das Lesen dabei auf keinen Fall zu kurz kommen, aber ich widme eben auch meinem Blog viel Zeit.
    Auch gerade was das Aussehen anbelangt, hatte ich selber sehr konkrete Vorstellungen und ich hab lange rumgebastelt, bis ich den Blog so hatte, wie es mir gefällt. Es war mir eben auch wichtig. Und so muss jeder für sich selber feststellen, wie er seinen Blog aufbaut, wie viel Content es gibt, was das Aussehen betrifft etc.

    Geld verdienen möchte ich damit auch nicht, dann wäre es ja sowas wie Arbeit und ich will, dass es ein Hobby bleibt.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  4. Hallo Julia,
    als jemand der selber einen kleinen Blog betreibt, kann ich das Zeit/Kraftargument nur zu gut nachvollziehen. Die Zeit die man in WP Skripten verbringt ist manchmal schwer zu rechtfertigen. Und dann kommt eine neue Version und es fliegt einiges weg (so zur Zeit bei mir nach Einführung von WP 4.6.1).
    Ich betreibe meinen Blog aus Lust an der Freude. Und für diejenigen, die mich gebeten haben von Mailingliste auf Blog umzustellen. Ähnliche Motive sehe ich auch bei Ihnen.
    Bleiben Sie so wie Sie sind!

    Tobias
    http://cognitatio-saxonia.de/
    (Der Blog ist zu guten Teilen ein geschlossener Blog - wegen den Herren von Trollhausen - wenn Sie mehr als die öffentlichen Artikel lesen möchten, dann senden Sie mir bitte eine Mail an die im Impressum genannte Adresse.)

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