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Donnerstag, 4. Februar 2016

Val McDermid - Northanger Abbey

Northanger Abbey
Val McDermid
ISBN 9783959670180


Jane Austens "Northanger Abbey" in modernem Gewand: Cat Morland entflieht der Langeweile ihres Alltags in einem kleinen englischen Dorf, indem sie sich in Büchern vergräbt, vor allem in ihren heißgeliebten Grusel- und Fantasyromanen. Als sie die Gelegenheit bekommt, nach Edinburgh zu einem Kulturfestival zu reisen, blüht sie regelrecht auf. Sie findet rasch zwei neue Freundinnen, Bella Thorpe und Ellie Tilney, und verliebt sich in Ellies gutaussehenden Bruder Henry. Zu ihrem Glück ermutigt der alte General Tilney seine Tochter, ihre neue Freundin ein paar Tage auf ihren Familiensitz Northanger Abbey einzuladen. Cats lebhafte Fantasie, die schon in den verwinkelten Gassen Edinburghs reichlich Nahrung fand, läuft nun in den düsteren Gemäuern des ehemaligen Klosters zur Höchstform auf. Sie ist fest entschlossen, dem mehrfach angedeuteten Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen...

Die Modernisierung eines Klassikers ist ein heikles Unterfangen, weil sie immer an der Qualität des Originals gemessen wird. Trotzdem ist die Idee reizvoll, denn zum Klassiker wird ein Buch in der Regel dann, wenn die grundlegenden Themen zeitlos und universell sind. Allerdings reicht es nicht, die Handlung vage an die Moderne anzupassen und gelegentlich Facebook, Twitter und Twilight einzustreuen. Die Moralvorstellungen haben sich in den letzten 200 Jahren doch relativ drastisch gewandelt, wovon man in dieser Adaption aber wenig merkt, gerade die weitgehend aus dem Original übernommenen Geschlechterrollen wirken nun hoffnungslos antiquiert. Wie plausibel ist heutzutage noch ein Mädchen, das sich mit 17 einen reichen Mann wünscht, nach kurzer Bekanntschaft verloben und nach der Heirat ein Dasein als "Heimchen am Herd" führen will? Oder dass Cat ihren Schwarm, den Bruder ihrer Freundin, auch nach mehrtägiger Bekanntschaft noch mit "Sie" anspricht? Gut, der zweite Punkt ist ein Problem der Übersetzung, passt aber zum altertümlich wirkenden Schreibstil, der sich stark an Jane Austen orientiert, auch wenn die Autorin ihre Dialoge gerne mit pseudo-jugendlichen Floskeln garniert. Dafür ist leider der Sprachwitz und die lebendige Figurenzeichnung des Originals völlig verloren gegangen. Gerade bei der Hauptfigur liegt da leider einiges im Argen. War Austens Catherine zwar hoffnungslos naiv, aber ansonsten durchaus lebensnah, lässt sich das von der modernen, unfassbar kindischen Cat nicht mehr behaupten, was in der gewählten Form der Adaption liegt. Dass ein undurchschaubarer Charakter ein potenzieller Mörder ist, ist nämlich deutlich plausibler als eine Familie Twilight-artiger Vampire. Letztlich muss man festhalten, dass die Modernisierung kläglich gescheitert ist. Das ist schade, weil man auf jeder Seite spürt, dass die Autorin das Original schätzt und möglichst exakt übernehmen wollte. Aber unter Umständen war genau das das Problem, vielleicht hätte der modernen Version ein etwas größerer Abstand besser getan.

Fazit: Ein toller Klassiker wird zu einem höchst mittelmäßigen modernen Roman

Kommentare:

  1. Ich habe gerade die Rezensions-Zusage von BloggDeinBuch erhalten, aber nach deiner Rezi weiss ich gar nicht mehr, ob ich mich darüber freuen soll. Na ja, vielleicht habe ich ja Glück und mein Geschmack wird besser getroffen als deiner ;-)

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    1. Ich denke, es hängt hauptsächlich davon ab, ob du dich vom Auseinanderklaffen zwischen modernem Inhalt und altertümlicher Sprache stören lässt. Bei mir war das der Punkt, der mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen und mir die Ungereimtheiten vor Augen geführt hat. Wenn man darüber hinweg lesen kann, dürfte das Buch sehr viel stimmiger wirken...

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  2. Hm, schade, ich mag an sich die Autorin und das Original von Jane Austen mochte ich nicht besonders. Ich habe aber auch schon Gutes von dem Buch gehört.

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    1. Ich mag die Autorin auch, wenn sie bei Thriller und Krimis bleibt... ;)

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  3. Das ist wirklich schade. Ich denke, ich werde wohl eher die Finger davon lassen :/ Deiner Rezension nach, wäre das Buch nicht wirklich etwas für mich. Leider schaffen es nur sehr wenige, gelungene Modernisierungen von Klassikern zu schaffen.

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    1. Ist natürlich auch schwierig, zum Klassiker wird ein Buch ja nur, wenn es herausragend gut ist, da liegt die Messlatte entsprechend sehr hoch!

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