Google+ Julias Buchblog: Liebe Autoren, so nicht!

Donnerstag, 24. September 2015

Liebe Autoren, so nicht!

Heute habe ich wieder einmal eine Rezensionsanfrage in meiner Mailbox gefunden. Das ist ja eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn man einen Buchblog schreibt, aber ist es denn zuviel verlangt, wenn ich auch bei solchen Anfragen ein Minimum an Höflichkeit und Respekt erwarte? Gerade weil derartige Mails dutzenderweise in meinem Postfach landen, möchte ich exemplarisch einmal drauf eingehen, wie man eine solche Anfrage definitiv NICHT machen sollte.

Das war der Inhalt:

Hallo,

mein Name ist XY und ich habe vor kurzem mein Roman „Blabla“ auf Amazon veröffentlicht (mit Link).
Ich suche liebe Leser/innen die mein Buch auf ihrem Blog vorstellen bzw. rezensieren. Falls du keine Zeit hast das Buch zu lesen würde ich mich auch über eine kurze Vorstellung freuen.
 Du würdest ein Exemplar + Cover von mir kostenlos vorab per Email erhalten.
Ich freue mich auf deine Rückantwort.

Grüße XY

Erstmal kommen unpersönliche Massenmails immer schlecht an. Klar, da kann man in kurzer Zeit hunderte Anfragen verschicken, aber die allermeistenmeisten Empfänger schauen sowas kaum richtig an. Ist es denn so schwer, eine persönliche Anrede zu schreiben? Es ist ja nicht so, als ob die Inhaberin von Julias Buchblog aus ihrem Vornamen ein Geheimnis machen würde, da dauert Recherche und Anrede kaum eine Minute. Und nach ein-zwei Sätzen zu meinem Blog (auch hier bitte keine allzu offensichtlichen Standartfloskeln!) ist die Chance viel größer, dass ich mir das Buch anschaue und dann tatsächlich eine Rezension schreibe.

Zweitens habe ich extra für solche Anfragen eine eigene Seite auf meinem Blog eingerichtet. Dort steht aber momentan klar und deutlich, dass ich aktuell keine Rezi-Exemplare annehme, weil ich aus familiären Gründen keine Zeit dafür habe. Wer trotzdem eine Mail schickt, zeigt dadurch, dass ich und mein Blog ihm eigentlich scheißegal sind, da er den Hinweis entweder nicht gelesen hat oder ihn nicht ernst nimmt. Zudem macht er sich strafbar, denn die Mail zählt durch meinen expliziten Widerspruch ganz klar zu unerwünschter Werbung und kann damit abgemahnt werden. Ich könnte also vor Gericht mehrere Tausend Euro Schadenersatz einklagen, wenn mir das der Aufwand wert wäre (Liste mit diesbezüglichen Urteilen: klick).

Drittens wäre eine Genrezuordnung und eine kurze Beschreibung des Inhalts noch nett, denn nach dieser Mail muss ich erst auf Amazon nachschauen, worum es in dem Buch eigentlich geht. Nicht sonderlich benutzerfreundlich...

Viertens enthält die oben zitierte Mail schon in den ersten drei Sätzen einen Fallfehler und drei fehlende Kommata. Das bedeutet, dass der Verfasser entweder kein korrektes Deutsch schreiben kann, der Autor also offenkundig sein Handwerk nicht beherrscht. Oder der Verfasser macht sich nicht die Mühe, korrekt zu schreiben, weil ihm der Empfänger den Aufwand nicht Wert ist. Auch keine gute Voraussetzung für jemanden, der etwas von mir will.

Fünftens wirkt die Bettelei nach zumindest einer Vorstellung extrem peinlich und unprofessionell. Wie sollte ich einen Autor, den ich nicht kenne, oder ein Buch, das ich nicht gelesen habe, meinen Lesern so vorstellen, dass sie Interesse daran entwickeln? Entweder wird die Vorstellung nichtssagend oder ich verheimliche meinen Lesern, dass ich keine Ahnung von der Sache habe. In beiden Fällen riskiere ich, meine Glaubwürdigkeit als Bloggerin zu verlieren.

Und dass ich das Buch inkl. Cover kostenlos erhalten würde, versteht sich von selbst, dieser Satz der Mail ist also völlig überflüssig. Hilfreicher wäre da der Hinweis gewesen, in welcher Form das Buch überhaupt zu haben ist, denn nicht jeder hat einen Kindle zuhause.

Fazit: ich bin (wie die allermeisten Buchblogger) gerne bereit, mich auf Rezi-Exemplare einzulassen, auch von unbekannteren Autoren, aber ich will ernst genommen werden. Wir Blogger sind keine billigen PR-Maschinen, die auf Autorenwunsch Artikel produzieren! Wer unsere Mithilfe will, sollte uns deshalb mit dem nötigen Respekt behandeln! Und eine Mail wie diese nützt nicht nur nichts, sie schadet dem Autor sogar, denn falls ich mich nach dem Löschen tatsächlich noch an den Namen erinnern kann, schwingen Ärger und Missmut über die unverschämte Anfrage in der Erinnerung mit. Zudem landet der Absender auf der Spam-Liste; selbst wenn er also in Zukunft dazugelernt hat und ich Interesse an seinem nächsten Buch hätte, erfahre ich davon nichts, weil eine neue Mail gar nicht bis in mein Postfach kommt...


Ach ja: da teilweise offenbar beträchtlicher Nachholbedarf besteht, möchte ich nochmals auf meine Ausführungen zu Autorenmarketing im Web verweisen: Teil I und Teil II

Kommentare:

  1. Das kann man nicht oft genug sagen...
    Ich stehe ja im Prinzip auf beiden Seiten - Autoren und Buchblogger - habe aber auch schon dummdreiste Anfragen bekommen, sogar als der Blog erst drei Monate alt war oder so. Mit einer Bettelanfrage, bei der mir ein Buch direkt als Anhang mitgeschickt wurde (in einem Genre, für das ich im Rezensionsexemplare-Guide ausdrücklich geschrieben habe: Bitte vorher fragen, das ist nicht mein Beuteschema!) und es kam auch kein "Hätten Sie Interesse?" sondern ein "Machen Sie mal".
    Das ist auch ein No-Go...

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    1. Oh ja, die Autoren, die grundsätzlich davon ausgehen, dass ich ihr Meisterwerk einfach unbedingt lesen muss, mag ich auch speziell gerne. Am liebsten dann noch mit einer Kindle-Datei (oder noch schlimmer, als PDF) und einem fussballfeldgrossen Cover in Maximalauflösung, so dass mir die Mail kurzfristig den Posteingang verstopft. Ich habe oft das Gefühl, dass die Seite mit den Hinweisen für Reziexemplare ziemlich überflüssig ist, auch weil ich fast täglich solche Anfragen bekomme, die offenbar alle den Hinweis auf die aktuelle Rezi-Sperre nicht gesehen haben. Die kopieren sich wohl nur die Mailadresse aus dem Impressum und schauen alles andere gar nicht an. Lässt sich auch an den Zugriffszahlen gut sehen, das Impressum wird mehr als zehnmal so oft aufgerufen...

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  2. Also auf unserem Blog nehmen wir so gut wie gar keine Rezensionsexemplare an. Wenn ich ein Buch lesen möchte, dann geb ich auch gern Geld dafür aus. Bei Rezensionsexemplaren hab ich immer das Gefühl, dass da 1. Druck ist, den ich beim Lesen nicht will, und ich 2. dann auch ein Buch lese, dass ich vielleicht gar nicht unbedingt haben wollte. Von daher kenne ich solche Emails nicht und habe auch beim Lesen gar nichts Schlimmes gedacht. Wenn man dann aber deine Ausführungen dazu liest, wird schnell klar, warum du es unpassend findest, und dann muss ich dir total recht geben. Vor allem natürlich, wenn du so offensichtlich auf deinem Blog schreibst, dass du gerade keine Rezensionsexemplare annimmst, ist das peinlich. Ich hoffe, dass du in Zukunft von sowas verschont wirst. :)

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    1. Das hier war ein extremes Negativbeispiel, weil einfach jeder Satz mindestens ein Fettnäpfchen trifft, aber ähnliche Mails habe ich leider trotz meiner klaren Ablehnung fast täglich im Postfach...

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  3. Ich bekomme selten solche Sammelanfragen, eher die Ausführlichen. Einmal sogar eine, bei der ich gemerkt habe, dass der Autor wirklich kapiert hat, wer ich bin und was ich lese. Dann kam aber sofort der Schlenker und die Selbstbehudelung begann. Das wir ja gar nicht unähnlich seien und darauf folgte eine Anekdote aus seiner Schulzeit, die mir etwas beibringen sollte... Ich antworte ehrlich gesagt nicht mal mehr auf solche Anfragen. Meist vergesse ich, dass so etwas reinkam und dann komme ich mir blöd vor den Leuten auch noch abzusagen. Gerade wenn sich jemand Mühe gegeben hat. Meist find ich sehen die Werbemails auch unglaublich unprofessionell aus. Da wird mit Fontgrößen rumgespielt, das ich schon vom rumscrollen angenervt bin. Am meisten nervt mich aber wirklich wenn jemand mir Kriminalromane oder Thrille anbietet, obwohl ich sowas überhaupt nicht lese. Oder wenn der Autor es so klingen lässt, als wäre es selbstverständlich, dass ich das Buch möchte und das er den Link zur Rezension dann bis dann und dann gerne hätte... da könnte ich die Wände hochgehen. Ich hab schon kaum Zeit für die Bücher, die ich lesen möchte, deswegen werde ich auch keine Bücher lesen, die mich nicht interessieren.

    Gerade das mit den Kommata würde mich ja mehr stören, als alles andere an deiner Beispielmail: Weil man weiß, wenn er sich öffentlich schon so schlampig gibt, dass das in seinem Buch nicht besser wird.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Stimmt, auch optisch sind die meisten dieser Mails eher grässlich. Oder es hängt ein fußballfeldgroßes Bild in super Auflösung dran, das mir dann den Posteingang verstopft... Ich verstehe ja, dass Autoren, gerade Self-Publisher, auf sich aufmerksam machen wollen, aber ein wenig Professionalität sollte da schon drin sein. Und ja, die Schreibfehler stören mich jeweils sehr, sind aber leider gar nicht so selten!

      LG, Julia

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  4. Beim Lesen eurer Kommentare wusste ich nicht, ob ich lachen oder 'weinen' sollte. Ich frage mich, wie Autoren auf die Idee kommen, solche Sammel-Bettel-Mails auf Buchblogger loszulassen. Wenn ich als Autor ernst genommen werden will, sollte ich nicht nur mein Handwerk beherrschen, sondern auch wissen, wie social media funktioniert. Ich bin Autorin (allerdings noch mit Verlag) und werde jetzt mal Teil I und II des Autorenmarketings im Web inhalieren. ;-) Gruß von Liz Loehmann

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    1. Ich denke, vielen ist einfach nicht klar, wie social media funktioniert. Da werden die alten Werbemittel einfach übertragen, statt Flyer und Plakate gibt es dann Massenmails und -Postings auf allen möglichen Plattformen, die selten wenig mehr enthalten als "Ich habe ein tolles Buch geschrieben, willst du es lesen?" Und wenn das nicht funktioniert, entschuldigt man es damit, dass man als kleiner Fisch gegen die grossen Werbebudgets der Verlage eben keine Chance hat. Ich habe selbst Autoren betreut, die in genau diesem Denkschema gefangen waren. Die haben sich erst Gedanken um PR gemacht, als das Buch endlich gedruckt war, und wollten auch möglichst wenig Zeit dafür aufwenden, weil sie das nächste Buch schreiben wollten. Nicht optimal, wenn man sich erst mit der Funktionsweise von Web2.0 vertraut muss...

      LG, Julia

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  5. Liebe Julia,
    ich muss sagen, ich finde deine Aussage wirklich mutig und Richtig. Natürlich ist eine Mail eine kostengünstige Art und Weise Leser anzusprechen, aber auch hier gilt: Der Ton macht die Musik.
    Ich selbst habe tatsächlich (leider) erst eine direkte Anfrage erhalten und habe mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken über die Form einer solchen gemacht. Damals war ich eher froh, dass mich jemand wahrgenommen hatte, allerdings geben solche Sammelmails dem ganzen schon eine ganz andere Note. (Damit spreche ich ausdrücklich nicht diejenigen an, die Blogs gezielt auswählen und auch etwas Zeit in eine personalisierte Anfrage investieren.)

    Liebe Grüße,
    Rena von analogzweinull.de

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