Google+ Julias Buchblog: Blogparade Autorenmarketing im Web Teil 1 - Autorenblogs

Dienstag, 27. Januar 2015

Blogparade Autorenmarketing im Web Teil 1 - Autorenblogs

Bei Ann-Bettina bin ich auf einen Post gestoßen, der mich auf die Blogparade von Veras Welt zu Autorenmarketing im Web aufmerksam gemacht hat. Das finde ich ein spannendes Thema, da ich einerseits gelegentlich Autoren betreue, mich andererseits oft über unbedarfte oder aggressive Werbung von Autoren im Netz ärgere. Und nachdem ich diesen Post dreimal umgeschrieben habe und er immer noch zu lang war, teile ich den Beitrag auf... 


Vera will von uns Buchbloggern unter anderem wissen, was wir von Autorenblogs halten. Das ist eine berechtigte Frage, denn eigentlich finde ich Autorenblogs für Marketingzwecke ziemlich ungeeignet. Das hat drei Gründe:

Als erstes finde ich das Medium Blog eher unpraktisch, um einen Autor und sein Werk zu präsentieren. Eines der dominantesten Merkmale eines Blogs ist die kontinuierliche Abfolge der Posts. Einen Überblick zur Person und den bereits veröffentlichten Büchern ist aber etwas, das nicht nach Zeit, sondern nach Relevanz geordnet sein sollte. Wenn ich als Buchbloggerin also Informationen zu einem mir unbekannten Buch oder Autor suche, hilft mir eine klassische Website eher weiter als ein Blog.

Zweitens stoße ich immer wieder auf Autorenblogs, die arg verwaist oder sogar klinisch tot sind; der letzte Post ist oft mehrere Monate alt und auf Kommentare kommt keine Rückmeldung. Auch wenn verständlich ist, dass ein Autor nicht immer gleich viel Zeit hat, macht sowas einen sehr schlechten Eindruck. Einen Blog sollte man primär betreiben, weil man gerne bloggt, nicht als reines Werbemittel! Eine klassische Website ist auch da eher zu empfehlen, da sie nicht gleich zeit- und wartungsintensiv ist und eine mehrwöchige Abwesenheit weniger auffällt.

Aber auch bei regelmäßigen Posts hilft ein Autorenblog fürs Marketing oft nur sehr begrenzt, weil er dessen Zielgruppe, nämlich die Leser, oft nicht anspricht. Da ich Bücher lese, nicht schreibe, finde ich Schreibtipps und Zwischenberichte zu einem neuen Projekt mäßig spannend, ich bin vor allem am fertigen Produkt interessiert. Dabei macht die Menge den Unterschied: wenn das Autor-Sein das zentrale Thema ist, interessiert mich das eigentlich nicht. Wenn mir ein Autor dagegen als Person sympathisch ist, der Blog vor allem diese Person ins Zentrum stellt und ihren Alltag und ihre Gedanken spiegelt, schaue ich gerne rein. Sofern mich der Blog ansonsten gut unterhält und die Projekt-bezogenen Posts nicht allzu sehr dominieren, lese ich dann selbstverständlich auch mal einen Post zu den Hintergründen des neuen Romans und bin wahrscheinlich auch bereit, mir das neue Buch dieses Bloggers anzuschauen. Aber in diesem Fall ist fraglich, ob das noch als "Autorenblog" gilt, und das Marketing ist dann eher Nebeneffekt, nicht der Hauptgrund für den Blog.
Klar, auch ein Blog, der sich mit der Entstehung eines Buchprojekts befasst, Tipps zur Lösung einer Schreibblockade gibt oder die Suche nach einem Verlag schildert, hat seine Daseinsberechtigung. Nur dürfte er in erster Linie dem Austausch mit anderen Autoren dienen und nicht wirklich dazu beitragen, dass sich das neuste Buch des Verfassers glänzend verkauft.

Fazit: wenn jemand gut und gerne bloggt und daneben noch Autor ist, ist das super. Allerdings steht die Zeit, die das Bloggen verschlingt, in keinem Verhältnis zu den paar Lesern mehr, die man dadurch gewinnt. Nur zu Marketingzwecken ist ein Blog also nicht sonderlich empfehlenswert, da gibt es im Internet bessere Möglichkeiten. Wie man als Autor meine Aufmerksamkeit gewinnt und was nur nervt, erzähle ich euch beim nächsten Mal: klick.

Kommentare:

  1. Hallo Julia,
    deine Argumentation gegen Blogs ist interessant. Wobei ich es nicht als zwingend empfinde, dass ein Blog nicht auch statische Seiten enthalten kann, die über die bestehenden Bücher und Autor oder Autorin berichten. Ich versuche dies zumindest zu erreichen. Andererseits ist erfahrungsgemäß eine statische Webseite sehr schnell veraltet und wird kaum noch betrachtet. Ich habe beispielsweise eine spezielle Website für meine Bücher. Da verlaufen sich aber kaum Besucher drauf. Das Problem, nur Tipps für Autoren zu posten, kenne ich auch. Es ist sehr schwierig, wenn man gerade sehr in seinem Autorinnendasein steckt, den Blickwinkel bei den Posts zu ändern. Ich versuche aber, letztlich immer Einblicke in mein persönliches Tun und meine Motivation zu geben, um den Leserinnen und Lesern hier mehr zu bieten. Deine Gedanken haben mich jedenfalls nachdenklich gemacht.
    Herzlichen Gruß,
    Vera

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    1. Hi Vera,
      natürlich, auch eine statische Seite braucht regelmässige Zuwendung, aber das ist bei allen Plattformen im Netz so, ob Blog, Website oder Facebook-Seite. Und ich habe überhaupt nichts gegen Autorenblogs (mit Autoren-zentrierten Posts), auch da kann man die nötigen Infos auf einer Zusatzseite unterbringen. Ich freue mich über jeden, der bloggt, weil es Spass macht. Aber nur einen Blog zu führen, weil "man das so macht" und man sich dadurch mehr Leser verspricht, halte ich für hochgradig ineffizient. Und leider begegnen mir solche "Pflicht-Blogs" immer wieder...
      LG, Julia

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  2. Ich bin einmal mehr ein wenig knapp mit meiner Planung und weiss erst seit heute Nachmittag, dass ich morgen Abend viel Zeit haben werde.
    Deshalb kontaktiere ich dich einfach einmal persönlich und hoffe, dass du Zeit und Lust hast, morgen ab 19.00 Uhr an meinem gemütlichen Lese-Miteinander aus Detmold teilzunehmen.
    http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.de/2015/01/gemutliches-lese-miteinander-aus.html

    Ich grüsse dich ganz lieb
    Livia

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  3. Liebe Julia!
    Du schreibst mir erschreckend aus der Seele - und das, wo ich selbst einen Autorenblog betreibe. Ich frage mich in schöner Regelmäßigkeit: Warum tust du das eigentlich?
    Ehrlich gesagt: Es macht mir Spaß, fürchte aber, dass das Medium Blog für Marketingszwecke wirklich absolut ungeeignet ist. Aber falls ein Leser sich mal informieren will, hat er zumindest eine Anlaufstelle.
    Dank deinem Post werde ich jetzt aber definitiv meinen Blickwinkel wechseln und mehr aus Sicht des Lesers schreiben.
    Danke für die Hinweise und auch Danke an Vera, die die Diskussion hier ins Leben gerufen hat. Jetzt setze ich mich mal an meinen eigenen Text. Viele Grüße!

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    1. Hi Liane,
      also "absolut ungeeignet" ist jetzt etwas drastisch formuliert. Letztlich braucht ein Autor eine Online-Visitenkarte, wo sich die Leser informieren können. Das kann man über eine normale statische Website machen, man kann es aber auch in den Blog integrieren. Ich halte einen Blog für Marketingzwecke für ineffizient, aber wenn du gerne bloggst, ist Effizienz ja nicht der entscheidende Faktor, hauptsache es macht Spass!

      LG, Julia

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