Google+ Julias Buchblog: Karin Engel - Die Kaffeeprinzessin

Samstag, 22. Juni 2013

Karin Engel - Die Kaffeeprinzessin

Die Kaffeeprinzessin 
Karin Engel
Knaur Taschenbuch Verlag
ISBN 9783426631812


Bremen 1902: Felicitas Wessels ist als Tochter eines bekannten Schauspielerehepaares nicht gerade das, was man als „gute Partie“ bezeichnet. Trotzdem verliebt sich Heinrich Andreesen, Sohn aus gutbürgerlichen Haus und Erbe der Kaffeedynastie Andreesen, leidenschaftlich in die schöne junge Frau. Allerdings plant Heinrichs Mutter Elisabeth bereits dessen Verlobung mit der Tochter eines angesehenen Unternehmers und Geschäftspartners der Andreesens. Es fällt Heinrich nicht leicht, den Widerstand seiner Mutter gegen die „Komödiantin“ zu durchbrechen, doch schlussendlich kann er Felicitas heiraten. Doch für sie, die das ungezwungene Benehmen in Künstlerkreisen gewohnt ist, ist es nicht leicht, sich an die strengen Anstandsregeln des Großbürgertums zu gewöhnen. Heinrich, der inzwischen das Familienunternehmen leitet, ist ihr da keine wirkliche Hilfe, da er sich nicht dauerhaft gegen seine Mutter stellen will. Und dann bricht der 1. Weltkrieg aus. Heinrich wird eingezogen und Felicitas muss nicht nur mit ihrer Sorge um ihren Mann klarkommen, sondern auch dafür sorgen, dass die Firma Andreesen dem drohenden Ruin entgeht...

Nachdem ich schon einige gute Kritiken zu diesem Buch gelesen habe, habe ich ein sorgfältig recherchiertes, sensibel gezeichnetes Portrait einer außergewöhnlichen Frau erwartet.  Das ist auch nicht gänzlich falsch, denn der historische Hintergrund ist sehr schön inszeniert, mit vielen kleinen stimmigen Details. Für meinen Geschmack wird Felicitas allerdings viel zu sehr als „starke Frau“ gezeichnet und die Geschichte mit allerlei unnötigen Klischees überfrachtet. Dass eine Schauspielerin ins Großbürgertum einheiratet, sich dort ihren Platz erkämpft und dann auch noch das Familienunternehmen rettet und zu einem Firmenimperium ausbaut, hätte eigentlich genug Stoff für einen Roman geboten. Dass Felicitas dazu noch zur sozialen Vorkämpferin wird, die sich für die Rechte der Frauen und gegen die harten Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen einsetzt, ist dann einfach unglaubwürdig. Auch hätte es dem Lesefluss gut getan, die Nebenhandlungsstränge etwas zu begrenzen, dabei wären einige Längen vermeidbar gewesen. Zudem bleiben zu viele Fragen offen, was wohl das Interesse am zweiten Teil der Familiensaga wecken sollte. Mir allerdings ist die Lust darauf vergangen, auch wenn Grund zur Hoffnung besteht, dass die Qualität steigt. Schließlich wurden in diesem Buch bereits derart viele Klischees verwendet, dass für die Fortsetzung kaum noch welche übrig bleiben...

Kommentare:

  1. Ich fände es um ehrlich zu sein deiner Beschreibung zufolge im Gegenteil nicht unlogisch, sondern total verständlich, dass sie sich für die Rechte der Frauen einsetzt. Einfach weil sie in diesem kämpferischen Milieu wieder sie selbst sein darf und nicht mehr sich für das bürgerliche Umfeld verbiegen muss.
    Aber da ich es nicht gelesen habe, kann ich es schlecht beurteilen und die plausibelsten Ereignisse steigen und fallen mit der Umsetzung.
    Aber neugierig wäre ich eigentlich schon auf das Buch...

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  2. Ja, wenn das Bedürfnis, sich für mehr Gleichberechtigung dem Konflikt ihrer unkonventionellen Erziehung mit ihrer gesellschaftlichen Situation entspringen würde, wäre das durchaus glaubhaft. Aber irgendwie kommt genau diese Motivation nicht richtig zur Geltung, es wirkt eher so, als brauche der Plot nach Heirat, Krieg und der Rettung des Familienunternehmens wieder neuen Schub. Felicitas wirkt manchmal wie ein trotziges Kind, das Frauen deshalb fördern will, weil sie damit ihre Schwiegermutter schockieren kann...

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