Google+ Julias Buchblog: Karen Duve - Anständig essen

Dienstag, 16. April 2013

Karen Duve - Anständig essen

Anständig essen. Ein Selbstversuch
Karen Duve
ISBN 9783442476473

Karen Duve beschreibt, wie sie Schritt für Schritt ihre Ernährung umstellt. Der Auslöser ist das Entsetzen der Freundin über das „Quälfleisch“, als sie im Supermarkt wie so oft zur Hähnchenpfanne für 2.99 greifen will. Angespornt von der daraus entstehenden Diskussion über moralisch korrekte Ernährung beschließt sie, die verschiedenen Ernährungsweisen selber zu testen. In einem mehrmonatigen Experiment isst sie erst nur biologisch produzierte Lebensmittel, dann vegetarisch, dann vegan und zuletzt frutarisch. Offen und ausführlich schildert sie ihre Erlebnisse und die durch die Umstellung entstehenden Probleme. Dazwischen eingebettet werden eher sachliche Abschnitte, wo Karen Duve vertiefende Informationen zu den einzelnen Ernährungsstilen liefert.

Der flüssige Stil und die humorvollen Situationsbeschreibungen schaffen es zwar, das ernste Thema durchaus unterhaltsam zu präsentieren, trotzdem war das Buch für mich ein ziemlicher Flop, was vor allem an der Hauptperson/der Autorin liegt. Zu Beginn ist Karen Duve ein Paradebeispiel für den gedankenlosen Umgang mit Lebensmitteln, was sie ja auch zu ihrem Selbstversuch anregt. Dumm nur, dass das während der ganzen acht Monate des Experiments nicht wirklich besser wird. Sich von der Hähnchenpfanne auf Bio- oder Veggie-Feriggerichte zu verlegen, ist nicht das, was ich mir unter einer bewussten Ernährung vorstelle, und wer sich wundert, dass eine Treibhaus-Tomate im Januar auch dann nach nichts schmeckt, wenn Bio draufsteht und sie deswegen teurer ist, hat etwas grundlegend nicht begriffen. Zudem sorgt die Tatsache, dass Karen Duve offenbar nicht in der Lage ist, das Etikett einer Cola-Flasche zu lesen, nicht gerade für die Glaubwürdigkeit der mitgelieferten Informationen. Generell sorgen der schnoddrige Ton und die willkürlich erscheinende Auswahl der sachlichen Abschnitte dafür, dass der Spagat zwischen den eigenen Erlebnissen und Hintergrundwissen nur schlecht gelingt.
Wirklich nervig fand ich das Buch aber vor allem dann, wenn zur Naivität noch die Doppelmoral kommt. So beschimpft Karen Duve etwa Fleischesser als Klimasünder, weil Kühe Methangas produzieren, fährt aber mit dem Auto 70 km in die nächste Großstadt, weil es dort die besseren Bioläden gibt. Und vorhandene Gegenstände aus Leder, Wolle oder Daunen wegzuwerfen und durch Kunststoff-Produkte zu ersetzen, hilft den dafür gestorbenen Tieren auch nicht mehr, vergiftet aber den Lebensraum von tausenden anderen. Durch diese Diskrepanz zwischen den moralischen Ansprüchen (mit denen sie anderen auf Familienfeiern auch gerne mal die Bratwurst verdirbt) und dem tatsächlichen Handeln wirkt das Experiment, und damit das ganze Buch, leider ziemlich fadenscheinig.

Fazit: Ein gutes Thema, aber eine ziemlich missratene Umsetzung. Wer sich ernsthaft Gedanken über seine Ernährung machen will, sollte besser zu einem Sachbuch greifen!

Kommentare:

  1. Habe mir schon oft überlegt, ob ich mir das Buch zulegen soll. Fand das Thema sehr interessant aber so wie du das beschreibst, wie dass die Autorin umgesetzt hat, schreckt es mich doch eher ab. Das Ganze scheint auch sehr widersprüchlich zu sein.

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  2. Apropos Kühe als Klimakiller, da ist mir unlängst doch folgender Artikel untergekommen:
    http://www.augsburger-allgemeine.de/friedberg/Kuehe-koennen-helfen-den-Klimawandel-zu-begrenzen-id24507616.html
    Den veganen Soja-Fans dürfte das im wahrsten Sinne des Wortes nicht schmecken ;)

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    1. Soja ist eben auch nicht das Allerweltsheilmittel, und rein aus ökologischer Sicht ist weder Soja noch Rindfleisch aus Südamerika eine gute Idee, schon wegen der Transportwege...

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  3. Ich lebe vegetarisch. Nicht weil ich mir einbilde damit die Welt ein für alle Mal zu verbessern. Ich habe mich mit den Lebensumständen der Tiere einfach einmal genauer beschäftigt und bin zu dem Schluß gekommen, dass ich damit nicht leben kann, dass ein Lebewesen so gequält wird, nur damit ich mein Fleisch habe.

    Wer nicht weiß wovon ich rede: EInfach mal auf Youtube MEET YOUR MEAT schauen.

    LG
    Anke

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  4. ich mag das Buch sehr!
    Sie beschreibt es komplett aus ihrer Sicht und zeigt ihre Persönlichen Probleme mit dieser Challenge. Und ich finde es wirklich gut und überhaupt nicht missraten.
    Wer seine Ernährung umstellen möchte greift hoffentlich nicht nur nach einem Buch, sondern nach vielen verschiedenen, um sich selbst eine Meinung darüber bilden zu können.

    ~ Nira

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